Kurt Strobecks Arbeit zeigt zwei verschiedene, aber zusammenwirkende Handlungsmotive: einerseits die frei fließende Malerei auf Leinwand oder Papier, andererseits die geometrisch gedachte Skulptur, die manchmal zur Rauminstallation wird. Die zwei Ausdrucksformen sollten nicht als getrennte Wege gesehen werden, da sie, im Einklang ausgeübt, zwei grundlegende und sich ergänzende Aspekte einer Sprache und einer Forschung darstellen; sie klingen wie zwei Partituren einer Melodie.
Sowohl im Raum als auch in der Malerei, will Strobeck eine aufmerksame Analyse jener psychischen Strukturen durchführen, die der kreativen Handlung voran gehen. Der Künstler will nicht etwas darstellen, sondern die rationale und irrationale Impulse deutlich machen, die im Bruch zwischen Ausdenken und Ausführung des Werkes entstehen und sich in Formen und Bilder, in Geometrien der Psyche verwandeln. Sowohl in den strengen baulichen, als auch in den lyrischen, malerischen Äußerungen, erreicht der Künstler essentielle Bilder, die den Bruch wieder füllen und sich als Darstellungsarchetypen behaupten.
Durch die Formulierung von Strukturen, von zusammenhängenden Geometrien, erforscht und ordnet der Künstler jedes Mal den Raum, einen mentalen Raum der manchmal zu begrenzter Malfläche, manchmal zu weitem, dreidimensionalem Ort werden kann. Dort können die Innenimpulse des kreativen Prozesses aufgefangen und in Form gebracht werden, in einem ununterbrochenen Trachten nach ästhetischer und innerer Harmonie.
In diesem Ausstellungsprojekt, hauptsächlich den Räumen des Palazzo Vescovile von Acquapendente gewidmet, entsteht ein spannender Dialog zwischen der knappen, minimalen Sprache der Werke. der raumbezogenen Eingriffen Strobeks einerseits, und den Fresken, den Ausstattungen, den antiken Keramiken in einigen Sälen des Museums andererseits. Der mentale Raum des Künstler nimmt Platz in einem Kulturraum, der zur Geschichte der italienischen Mitte gehört.